Die literarische Moderne in Europa: Band 1: by Hans Joachim Piechotta (auth.), Hans Joachim Piechotta,

By Hans Joachim Piechotta (auth.), Hans Joachim Piechotta, Ralph-Rainer Wuthenow, Sabine Rothemann M.A. (eds.)

Eine Geschichte der europäischen Literatur der Moderne ist etwas anderes als eine Ge­ schichte der modernen europäischen Literatur. Nicht, was once guy oft unbestimmt 'moderne Literatur' im Sinn der neuzeitlichen, gar der Gegenwart zugehörigen Literatur nennt (dies im Gegensatz zur älteren, der der Aufklärung, der sog. Klassik, der Romantik etc.) ist der Gegenstand, der hier in einem Gemeinschaftswerk zur Debatte gestellt wird, sondern die der Modeme, die weit in das 19. Jahrhundert zuriickreicht, wie es umgekehrt zeitgenössische Werke gibt, die, ohne deswegen auch als mißlungen gelten zu müssen, nicht als 'modem' bezeichnet werden können. Das hat einerseits mit dem Verlust von literarischer culture, von Verbindlichkeit der klassischen topoi, Sinnstiftung, der Bedeutung von Mimesis, Programatik, Didaxe, Weltanschauung, Weltvergegenwärtigung und generalisierender Zeitkritik zu tun, an­ dererseits aber mit zunehmender Fremdheit, Künstlichkeit, ja Bedrohlichkeit der Welt­ verhältnisse, mit der Verabschiedung des überkommenen 'Schönen' und der Verselb­ ständigung der Kunst, der Umgestaltung der langgültigen Vorstellungen von Kunstwerk und Künstler, mit der Verfügbarkeit der Zeichen, die nicht mehr auf ein Bezeichnetes hin verbindlich ausgerichtet sind. Nur so wird verständlich, was once Friedrich Nietzsche als " Artistenmetaphysik" bezeichnet hat, die weitereichende Nachwirkung Arthur Schopenhauers, die neue Sehweise in der Malerei des 20. Jahrhunderts, die "Ästhetik der neuen Tonkunst", die ihres einst scheinbar festen Grundes nicht mehr gewisse Erzählhaltung. Das Subjekt selbst ist so wenig fest­ gelegt, wie die Dinge noch als feststellbar gelten dürfen; das eine droht wie das andere zu verschwinden.

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B. die expositorischen "Gedichte" des jungen Peter Handke,46 ihren literarischen Anspruch nur noch gestisch-deklaratorisch, mittels simpler Einbindung in einen Gedichtband-Kontext, anmelden. Literarische Selbstbezüglichkeit, die es gibt, und die nicht im Hinweis auf drohende Absurditäten entschärft werden darf, heißt also im Grunde: jenseits von Anschauung und jenseits der Einheit des Begriffs, jenseits unmittelbaren Geltungssinns und jenseits aller vermittelten Sinnzusammenhänge, jenseits von Dingen und Gegenständen.

Der Entzug des Entzugs kassiert nicht Differenz, indem er der Literatur die Instrumente kritischer Distanzierung aus der Hand schlüge, sondern umschreibt in rückhaltloser Präsentation dessen, was ist, erst eigentlich zur Gänze den Raum, innerhalb dessen - immanent Differenz sein kann. Deshalb ist der doppelte Entzug auch nicht einfach Verdoppelung herrschender Ausdrucksweisen, Rückfall in primitiven Realismus und bewußtlose Rehabilitierung differenztilgender Weltkonzepte. Er ist vollständige Auslegung und damit Interpretation, aber eine solche, die das vollständige Sich-Auslegen der Metapher in eine Welt fordert - Interpretation, die die - den Möglichkeiten des sinnlichen Vernehmens nach: sinnlose Verausgabung der Sprache fordert.

Selbstverständlich kann man nicht Literaturwissenschaft treiben und dabei die Literarizität ausmachende Qualität interner formsprachlicher Verweisungen ignorieren wollen, erst recht nicht im Falle einer sich absichtlich auffällig machenden Differenzhaltung literaturäußerlichen Instanzen gegenüber. Wie oben gezeigt, gefährdet allerdings der Mangel einer solchen Instanz, die gleichsam von außen in die Struktur immanenter literarischer Beziehungen hineinwirkt, sowohl den Differenzgedanken als auch den Literaturstatus der Literatur.

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